Mein nadelgefilzter Puppenkopf braucht ein Gesicht

Bereits gestern trafen sich alle Teilnehmer zum 4. Treffen der diesjährigen PuppenMitmacherei, die von naturkinder und mariengold so klasse organisiert wird. Da meine Filzmuse erst am Montag Abend mit äußerst schlechtem Gewissen vor meiner Tür stand, bin ich nun trotz aller Bemühungen und jeder Menge Schweiß und Blut fertig und wieder im Zeitplan. Zwar mit einem Tag Verzögerung, aber das ist halb so schlimm. Ganz reumütig kam sie angekrochen, meine Muse, und hat mich geküsst und geknuddelt, geherzt und gedrückt.

Ich habe ihr das späte Auftauchen verziehen und machte mich ans Werk. Nach vielen weiteren Stunden des Filzens bis spät in die Nacht und etlichen blutigen Fingerspitzen konnte ich dann endlich aufhören. Mir sagen: „Lass es  jetzt gut sein. Mach es nicht kaputt!“ Habe keine Angst  und zieh endlich den Trikot über den Kopf.

nadelgefilzter Puppenkopf mit Trikot
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Erste Fäden

Da war er nun, mein allererster nadelgefilzter Puppenkopf. Nein stimmt nicht, es war ja der 2. Versuch. Der erste ist ja viel zu groß geworden und ich hatte ihm ja gar keinen Trikot übergezogen.

Wie und wo sollte ich nun anfangen. Wie schon so oft, war mir hier Pinterest-Board „Dollmaking“ eine große Hilfe. Ich studierte die zahlreichen gepinnten Werke meiner Vorbilder. Betrachtete akribisch, wie sie die feinen Fäden zogen. Boah, ich sag Dir. Ich hatte solche Angst, dass mich hinterher etwas Fratzenhaftes und Hässliches anschauen würd, dass ich hier nie im Leben zeigen kann. Ich fing als erstes mit der Nase an und zog zwei kleine feine Nasenlöcher mit meinem reißfestem Garn, dann die Mundwinkel und ein paar Linien um die Lippen zu definieren. Was mich dann anschaute, sah zum Glück nicht so gruselig aus wie befürchtet.

nadelgefilzter Puppenkopf mit Trikot und ersten Gesichtzügen
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Königsdisziplin beim Puppenmachen

Nun mussten diese kleinen Stecknadeläuglein durch „richtige“ ersetzt werden. Man, ich habe immer solch einen Respekt vor den Augen. Denn mit den Augen bekommt die Puppe ihre Seele. Die Augen sagen soviel aus, nicht nur über uns Menschen. Und von einer Puppe möchte man ja nicht böse angeguckt werden. Und schielen soll sie ja auch nicht.

Hier bewundere ich meine Kollegin Barbara. Sie hat es einfach drauf, die Kunst des homogenen Augen Stickens, dass uns hinterher ein liebenswertes Puppenkind anschaut. Ihre Dreikäsehochs schauen immer so keck in die Welt. Sie hat mir aber Mut gemacht und sagte, dass es sehr sehr viel Übung bedarf. Und sie hat Recht. Mit jedem Mal geht es mir leichter von der Hand, wenn ich erst mal mein Lampenfieber überwunden habe. Aber ein bisschen Rest Schiss davor bleibt dennoch.

Also nahm ich meinen kleinen Bienenwachsklumpen und zog das feine Stickgarn hindurch. So werden die Fäden schön glatt und Du hast keine störenden Fusseln im Auge. Ich male die Augen nie vorher auf. Ich ziehe immer erst einen Mittelfaden mit meinem reißfesten Handnähgarn von vorn nach hinten durch den Kopf, wo vorher meine Stecknadeln saßen, und fixiere so den Trikot. Hier musst du aber aufpassen, dass du gleichmäßig ziehst, sonst liegt womöglich ein Auge tiefer als das andere. Von diesem Mittelpunkt aus fange ich an zu sticken. Immer von links nach rechts, erst nach oben schmaler werdend und dann wieder runter über die Mitte nach unten. Dann sticke ich nach Gefühl solange drüber, bis ich ein leicht erhabenes homogenes Auge habe, dass mir gefällt. Beim zweiten zähle ich nicht ab, sondern orientiere mich an der Optik des ersten Auges. Wenn ich genau die Rippen abzähle, hatte ich schon den Effekt, dass das 2. Auge kleiner war. Also habe ich mich von den ganzen Zwängen frei gemacht und sticke die Augen möglichst entspannt und ohne Vorgaben, denn jeder Puppenkopf ist anders. Meiner Meinung nach kannst du hier keine allgemeine Augenstickformel anwenden. So sind jedenfalls meine Erfahrungen. Welche Erfahrungen hast du diesbezüglich gesammelt?

Die Puppe möchte ich für meine Tochter nähen. Auch wenn sie kein Fan von Puppen ist, habe ich das Gefühl, dass sie sich über eine selbstgemachte Puppe von mir extra nur für sie freuen wird. Sie kann es nur nicht so zugeben O:). Aber je weiter ich fortschreite, desto mehr merke ich das, hihi. Und das macht mich so froh. Daher bekommt das Puppenkind dunkelbraune Augen, wie von Töchterchen gewünscht.

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Kuckuck

Ich habe noch die Nasenflügel abgebunden und da war es. Ein kleines Puppengesicht mit ein paar Wimpern. Ich zeigte es meiner Tochter und sie war sichtlich angetan. Allerdings gefielen ihr die „Striche“ nicht. Die sollte ich wegmachen. Auch mich störte noch irgendwas, ich wusste aber noch nicht was. Ich fand es zwar schon recht gut gelungen und mit Haaren war es auch ein schönes Gesicht. Aber es sprang kein Funke über wie ich das sonst so bei meinen Puppenkindern habe. Ich lies das Puppengesicht also eine Nacht lang liegen,reifen, um am nächsten Tag frisch ans Werk zu gehen.

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Alles  neu

Nein nicht ganz. Aber ich habe alle Fäden noch mal raus gemacht. Die Nase unmodelliert gelassen und die Fäden vom Mund noch etwas verändert.

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Das sah schon viel besser aus. Auch meine Tochter fand das Gesicht so viel schöner. Aber sie meckerte immer noch, ich solle doch endlich diese doofen Striche da weg machen.

Ich lies das Gesicht vorerst in Ruhe und machte mich ans Zusammenbauen. Arme und Beine stopfen,Kopf an den Rumpf annähen, Glieder annähen ect.

So, da war er nun, mein Puppenkopf. Den soll ich jetzt faltenfrei an den Rumpf nähen? Warum hatte ich nochmal den festen Trikot genommen? Aja, weil der so schön robust ist und nicht so leicht reißt und die starken Abbindefäden besser verkraftet. Aber das war doch der, der nicht so schön dehnbar ist und viel leichter zu Falten neigt? Und auch mit den Tipps von Chris und Nicole wollte das nicht so recht klappen. Aber ich hatte nun mal festen Trikot über mein Puppengesicht gezogen. Zum Glück, denn der leichtere hätte die vielen Änderungen nicht unbeschadet überstanden.

Geht es dir auch manchmal so? Du fragst um Hilfe und bekommst die besten Tipps von den liebsten Kollegen, aber du kriegst es trotzdem nicht hin? So war das bei mir. Also habe ich getüftelt und ausprobiert und eine Lösung gefunden, die mir leicht von der Hand geht. Und ich bin mit einem Ergebnis sehr zufrieden und es ging ganz leicht. Da hatte schon Käthe Kruse ganz Recht: „Die Hand geht dem Herzen nach“. Und wenn die Hand irgendetwas macht, was nicht von dir heraus kommt, kann es eben auch mal schwierig werden.

Aber ist doch prima faltenfrei geworden, oder?

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 Die Haare

Ich wollte für mein Puppenmädchen richtige schöne Haare, die wie echtes Haar aussehen, keine Wollhaare. Tressen schienen mir recht einfach in der Verarbeitung, anders als diese Wefts in einzelnen Strähnen. Die müssen einzeln verwebt werden. Ich dachte, weil im Oktober ja auch bei mir in der Werkstatt langsam der Weihnachtstrubel  losgeht, wäre eine einfachere Methode besser. Also habe ich mich für Mohairtressen entschieden und bei Debbie von littleokedolls mir eine kleine Auswahl bestellt. Meine Tochter Elli hat sich dunkelbraune Locken ausgesucht. Ich habe mich von dieser Anleitung für eine Perücke mit Mohairtressen inspirieren lassen.

Und ich habe geschlagene 8 Stunden gesessen bis es passte. Erst hab ich die Tressen doppelt genommen. Die Haare standen alle furchtbar vom Kopf hab. Also alles wieder auftrennen, das dauert genauso lange wie das häkeln bei Mohairgarn.

2. Versuch Tressen nur einfach verhäkeln. 3 Stunden später, es sah aus wie ein Krautsalat. Und zu groß war es auch. Ich hätte am liebsten geheult. Die Finger taten mir weh vom auftrennen, da das Mohairgarn, dass ich zum Häkeln benutze mir die Haut einschnitt und es schon Mittag war. Dabei wollte ich doch pünktlich fertig sein und meinen Beitrag veröffentlichen. Nochmal alles auf Anfang.

3. Versuch. Etwas anders angefangen und rechtzeitig mit den Zunahmen aufgehört. Juhu. um 16 Uhr hielt ich dann endlich meine fertige und passende Perücke in den Händen.

Nachdem der Kopf nun fest genäht war, ging alles ganz schnell. Die Beine annähen, die Arme ansetzen. Hey, und sie konnte sogar auf Anhieb sitzen. Allerdings hatte meine „Jane Do“ ja noch eine Glatze. Endlich, endlich durfte ich meine mühselig gefertigte Perücke annähen.

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 Mein Puppenkind erblickt das Licht der Welt

Puuhh, geschafft. Jetzt noch die Haare ein bisschen in Form bringen, das Herz auf die Brust nähen und ab zum Fotoshooting.

Proudly presents:

Mein allererster nadelgefilzter Puppenkopf. Meine erste große Puppe mit „echten Haaren“. Und jetzt einfach noch ein paar Bilder von meinem Puppenmädchen.

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Und? Wie findest du die Augen jetzt ganz ohne „Striche“? Ich muss ja sagen, weniger ist oft mehr. Ich bin sehr froh, auf den Rat meiner Tochter gehört zu haben. Jetzt ist auch der Funke übergesprungen.

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An den Schnitt muss ich aber noch mal ran, O:) Mir fehlen ein wenig die Hüften und meine runden Apfelbacken, die meine Puppenpopos sonst so haben.

Aber ich bin froh und erleichtert, endlich mein Puppenkind in den Armen zu halten. Jetzt freue ich mich auf die Kleidung und bin schon gespannt was meine Tochter sich da ausdenkt.

Und ich bin gespannt , wie weit die anderen inzwischen sind und werde mir die Beiträge nacheinander anschauen. Jetzt verlinke ich noch schnell meinen Beitrag bei Caro. Und mache ein kleines Päuschen, denn später muss ich noch die Überraschung für morgen vorbereiten.

Verrate mir doch, welche Variante dir persönlich besser gefällt mit oder ohne Wimpern?

Wir sehen uns hoffentlich bald

Alles Liebe

Deine Christine

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