Ich finde es schön, wenn man jemanden kennt und weiß warum er seine Arbeit liebt. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, euch ein wenig von mir zu erzählen: Wer ich bin und wie ich zur Puppenmacherei gekommen bin.

Ich liebe einfach Handarbeit

Seit mir meine Mutter das Stricken und Häkeln beigebracht hat, ich glaube es war mit 7 oder 8 Jahren, gab es für mich nichts Schöneres als mit Wolle Dinge zu erschaffen, neue Puppenkleider für meine Puppen zu stricken, eine Tischdecke für meine Schwiegermama zu häkeln oder auch für mich selber. Es war unheimlich cool, denn meine selbstgemachten Sachen hatte außer mir sonst niemand. Um meinen selbstgestrickten knallgrünen Oversizepulli in der Neunten Klasse haben mich alle beneidet.

Aber auch für handgemachte Dinge von anderen konnte ich mich begeistern. Ob es nun die gehäkelte Tagesdecke auf dem Sofa einer Freudin war, meine getöpferte Lieblingstasse oder das selbstgebaute Holzspielzeug.

Nachdem Abitur lernte ich Krankenschwester. In ruhigen Diensten am Wochenende und in den Nachtschichten konnte ich mein Strickzeug auspacken, wenn alle Patienten versorgt waren. Ja ich weiß, dass ist eigentlich nicht erlaubt, aber Hand aufs Herz Ihr Krankenschwestern da draußen, habt ihr nicht auch den ein oder anderen Socken in der Nachtschicht gestrickt?

Als ich meinen jetzigen Mann kennen lernte und zu ihm nach Dresden zog, sollte sich einiges ändern. Ich begann im Herzzentrum auf einer Intensivstation zu arbeiten. An „stricken im Dienst“ war nicht mehr zu denken und auch in meiner Freizeit trat die Handarbeit in den Hintergrund.

Erst als ich mit meinem ersten Sohn schwanger war, habe ich sie wieder für mich entdeckt. Ich strickte wieder: Babystrampler, kleine Mützchen, eine Babydecke.

Wie jede Schwangere überkam auch mich der Nestbautrieb. Ich wollte ein paar schöne Dekosachen im Babyzimmer haben, fand aber nicht so das Richtige. Entweder zu einfach und lieblos oder die Qualität ließ zu wünschen übrig. Da bin ich über ein Buch gestolpert: Laubsägearbeiten für das Kinderzimmer und bin fündig geworden. Laubsägen hatte ich bis dato noch nicht ausprobiert. Zum Glück gab es im großen Keller meines Schwiegervaters auch eine alte Laubsäge, im Baumarkt jede Menge Holz und los ging es. Es wurden fürs Erste ein Mobile, eine Schlummerlampe und ein paar Türschilder gebastelt. Man machte das Spaß. Ich fing an, eigene Ideen zu kreieren und sägte, was das Zeug hielt, in unserem Esszimmer…

Mobile Mondschäfchen, Türschilder für das Kinderzimmer
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Meinen Job als Krankenschwester hatte ich erst mal pausiert, nachdem unser Sohnemann geboren wurde, und er war zum Glück ein artiges Kind. Ich hatte also viel Zeit zum Sägen:-) Die Verwandtschaft stöhnte schon, denn es lag nur noch Gesägtes unterm Tannenbaum. Das Arbeiten mit Holz lag mir irgendwie im Blut.

Frau bemalt Holzteile für einen Geburtstagskranz
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Der Schritt in die Selbständigkeit

Es war gar nicht so leicht, meinen Beruf als Krankenschwester auszuüben und gleichzeitig für Familie und Kind dazu sein und auch noch Zeit für mein ausuferndes Hobby zu finden, dass inzwischen zu einem kleinen Nebengewerbe geworden war. Ein Umzug zurück in den Norden stand an und ich kündigte meinen Job. Da ich wieder schwanger war, suchte ich mir auch erst mal keinen neuen, sondern bastelte weiter und besuchte Märkte und verkaufte bei Ebay.

Marktstände mit vielen bunten Holzsachen
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Ich hatte Blut geleckt und die Selbstständigkeit gefiel mir. Uns kam die Idee, wir machen einen Onlineshop für Holzspielzeug auf, dort kann ich dann ja auch meine eigene Handarbeit anbieten. Mit einem Onlineshop konnte ich von zu Hause arbeiten und, gleichzeitig bei meinen Kindern sein. Wir wollten hochwertiges robustes Spielzeug anbieten, dass kreativ ist, die Fantasie anregt und vor allem ein Leuchten in die Augen der Kinder zaubert.

Unser kleines Geschäft florierte und wuchs und wuchs. Es kamen immer mehr Spielzeug von anderen Spielzeugherstellern hinzu. Ich entwickelte eine Vorliebe für Waldorfspielzeug. So zogen z. Bsp. die schönen Waldorfpuppen einer Kieler Puppenmacherin in unseren Shop oder das kreative Holzspielzeug von Drei Blätter. Leider hatte ich kaum noch Zeit, eigene Sachen zu fertigen. Wir bauten uns ein Haus und kurz darauf bekam ich unsere Tochter. Ich arbeitete fast rund um die Uhr, zu Hause platze alles aus den Nähten, überall lagerte Kinderspielzeug für den Shop, sogar im Schlafzimmer türmten sich sich die Kartons. Ich musste aufpassen wie ein Höllenhund, denn das Spielzeug gefiel natürlich auch unseren Kindern.

unsere ersten Produktfotos, ein Puupenbett, ein Holzpuzzle und eine Waldorfpuppe
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Hier musste Abhilfe geschaffen werden. Wir zogen mit unserer Holzfarm in ein kleines verschlafenes Städtchen und ich erfüllte mir dort einen Traum vom eigenen Lädchen, stellte Mitarbeiter ein ohne zu ahnen, was mich erwarten würde…

Voller Enthusiasmus stürzte ich mich in die Arbeit.  Aber der Laden lief nicht und ich hatte dadurch auch weniger Zeit für den Onlineshop, von meiner Familie ganz zu schweigen.

Auch ein Standortwechsel des Geschäfts in eine größere Stadt brachte keine nennenswerten Erfolge. Der Laden fraß einfach unsere gesamten Kapazitäten. Der Onlineshop wurde schwächer und mir brachen die Umsätze weg. Ich arbeitete nun fast rundum die Uhr und auch an den Wochenende, verzichtete auf meinen Urlaub mit Mann und Kindern….Keine Besserung in Sicht. Es drehte sich alles nur noch um Marketing, Organisation, Buchhaltung, Betriebswirtschaft – kurz nur noch ums Geld, das hinten und vorn nicht reichte.

Ich vermisste sehnlichst das Stricken und Häkeln, das kreative Schaffen mit meinen Händen. Ich hatte seit Jahren nichts mehr für mich gemacht, weder meine geliebte Handarbeit noch Sport oder irgend etwas anderes, dass für Entspannung sorgte.

Ich wurde krank, hatte einen Bandscheibenvorfall und die Traurigkeit und Hilflosigkeit nahm immer mehr zu. Ich war völlig ausgebrannt. Den Laden schmissen die Mitarbeiter so gut es ging. Mir ging es jedoch immer schlechter. Ich musste dringend etwas ändern.

So beschloss ich, schweren Herzens den Laden aufzugeben und meinen Onlineshop in gute Hände zu verkaufen. Ich musste gesund werden, wollte wieder die fröhliche Frau sein, die sich an schönen Dingen erfreuen kann, die mit ihren Kindern lacht und alle mit ihrem Humor begeistert.

Hier geht’s weiter mit Teil 2.

 

 

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